Vom Einkaufszentrum in die Innenstadt

Zwischen Stoffen, Schnitten und Stadtleben. Das Nähatelier Pilatusblick bringt traditionelles Schneiderhandwerk an den Löwengraben.

Das City-Management Luzern berichtet immer wieder gerne über besondere Geschichten und Menschen, welche die Luzerner Innenstadt prägen. Eine davon führt an den Löwengraben 4. Dort hat sich vor einigen Monaten das Nähatelier Pilatusblick neu angesiedelt.

Seit über 30 Jahren arbeitet Mohsen Ghulami im Schneiderhandwerk. Nach mehreren Jahren im Einkaufszentrum wagte er den Schritt in die Luzerner Altstadt – mit viel Erfahrung, Leidenschaft fürs Handwerk und dem Wunsch, hochwertige Textilien und Reparaturen wieder stärker ins Bewusstsein zu rücken.

Ein Gespräch mit Mohsen Ghulami vom Nähatelier Pilatusblick über Qualität, Kleidung und die Herausforderungen eines Handwerksbetriebs in der Innenstadt.

Herr Ghulami, seit über 30 Jahren arbeiten Sie als Schneider. Wie hat sich das Verhältnis der Menschen zu Kleidung, Qualität und Reparaturen in dieser Zeit verändert?
Früher waren Kleider im Verhältnis deutlich teurer als heute. Man kaufte weniger, dafür bewusster. Heute werden viele Kleider nur noch kurze Zeit getragen. Dadurch wird leider auch weniger Wert auf Reparaturen oder Änderungen gelegt. Trotzdem gibt es nach wie vor Bereiche, in denen Qualität wichtig bleibt – etwa bei Festkleidern oder hochwertigen Hosen, bei denen Änderungen an Länge oder Bund häufig gefragt sind.

Viele Menschen kaufen heute günstige Mode mit kurzer Lebensdauer. Weshalb lohnt es sich aus Ihrer Sicht trotzdem – oder gerade heute mehr denn je – auf hochwertige Textilien und Änderungen zu setzen?
Kleider sind auch eine Investition. Hochwertige Stoffe tragen sich oft angenehmer und halten länger. Dazu kommt der Umweltgedanke: Billige Stoffe lassen sich meist schlechter weiterverwenden oder entsorgen. Wer auf Qualität setzt und Kleidung anpassen oder reparieren lässt, geht bewusster mit Ressourcen um.

Ihr Atelier befindet sich heute mitten in der Luzerner Altstadt am Löwengraben. Was bedeutet Ihnen ein lokales Fachgeschäft in einer Innenstadt wie Luzern – und worin unterscheiden sich die Erfahrungen zur Zeit im Einkaufszentrum?
Ein Fachgeschäft ergänzt das Angebot der Innenstadt und bringt Vielfalt hinein. Für mich ist der neue Standort – in der Innenstadt, statt im Einkaufszentrum – auch eine neue Herausforderung. Sich an einem neuen Standort zu etablieren braucht Zeit, gerade für einen Handwerksbetrieb. Aber ich schätze die Atmosphäre und die persönliche Nähe in der Innenstadt sehr.

Hinter jeder Änderung steckt Handarbeit und Erfahrung. Gibt es besondere Stücke oder Geschichten aus Ihrem Atelier, die Ihnen bis heute in Erinnerung geblieben sind?
Ja, immer wieder. Ich darf auch immer wieder mal ein Kleid auf Wunsch erstellen. Wir kreieren nämlich auch eigene Kleidungsstücke auf Bestellung. Besonders schön sind jeweils die Reaktionen der Kundinnen und Kunden, wenn sie das fertige Stück zum ersten Mal sehen. Das freut mich bis heute sehr.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft des traditionellen Schneiderhandwerks – und was möchten Sie jüngeren Generationen im Umgang mit Kleidung und Qualität mitgeben?
Ich wünsche mir, dass unser Handwerk weiterhin geschätzt wird und die Menschen wieder mehr Wert auf Qualität legen. Viele denken, massgeschneiderte oder angepasste Kleidung sei sehr teuer – dabei lohnt es sich oft mehr, als man denkt. Einfach spontan vorbeizukommen und sich beraten zu lassen, lohnt sich auf jeden Fall.

Mohsen Ghulami mit einem bestellten Festkleid in seinem Nähatelier

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