MiniLuzern bei StadtHirsch: Die Idee einer Stadt voller Miniaturgeschichten geht in die Galerie
Wer derzeit die Schaufenster und Räumlichkeiten der StadtHirsch GmbH an der Kasimir-Pfyffer-Strasse 2 besucht, taucht in eine weitere Welt von MiniLuzern ein. Die Ausstellung zeigt jene kleinen Szenen, Figuren und Geschichten, die seit Frühjahr 2026 an verschiedensten Orten in der Luzerner Innenstadt entdeckt werden können.
MiniLuzern ist ein typisches Beispiel dafür, wie eine Idee über das City-Management Luzern aufgenommen und gemeinsam mit Partnern weiterentwickelt werden kann. Zusammen wurden Konzepte ausgearbeitet, Standorte gesucht, Geschichten geschrieben und Miniaturwelten gestaltet. Das Projekt wächst laufend weiter und soll auch künftig neue Orte und Geschichten in die Stadt bringen.
Im Gespräch mit Silvan Käser von StadtHirsch blicken wir auf die Entstehungsgeschichte von MiniLuzern zurück, sprechen über kreative Prozesse, die aktuelle Ausstellung und die Zukunft des Projekts.
Silvan Käser mit einem seiner Exponate aus "MiniLuzern in der Galerie"
Silvan, erinnerst du dich noch an den Moment, als die Idee zu MiniLuzern erstmals auf dem Tisch lag?
Ja, sehr gut sogar. Es war eigentlich ein Gespräch über ganz unterschiedliche Themen. Erich Felber erzählte damals von seinen Eindrücken aus der niederländischen Stadt Leeuwarden, wo es ähnliche Miniaturwelten gibt. Die Idee hat mich sofort begeistert. Gleichzeitig hatten wir bei StadtHirsch Überlegungen, wie man Geschäfte über QR-Codes und digitale Inhalte stärker einbinden könnte. Irgendwann entstand die Erkenntnis: Warum nicht beides miteinander verbinden?
Was hat dich persönlich an der Idee sofort begeistert?
Dass sie gleichzeitig faszinierend und einfach ist. Miniaturwelten ziehen Menschen magisch an. Dazu kommt das Potenzial für Geschichten, Interaktionen und Entdeckungen. Spannend fanden wir auch die Möglichkeit, digitale Elemente einzubinden – beispielsweise animierte Figuren, die über das Smartphone zum Leben erweckt werden können. Gleichzeitig lassen sich Geschäfte und Orte auf eine sympathische Art einbinden.
Wie entwickelte sich die Idee von den ersten Skizzen bis zum konkreten Projekt?
Wir haben den Ball aufgenommen und weitergespielt. Eine Praktikantin hat sich mit viel Engagement ins Projekt gestürzt und wesentlich dazu beigetragen, dass aus einer Idee etwas Konkretes wurde. Mit der Zeit wurde das Projekt deutlich komplexer als ursprünglich gedacht. Trotzdem war uns immer wichtig, dass MiniLuzern niederschwellig, kostenlos und für alle zugänglich bleibt.
Wie entsteht eigentlich eine MiniLuzern-Szene?
Das hängt vom Standort ab. Bei öffentlich zugänglichen Orten beschäftigen wir uns intensiv mit der Umgebung. Wir laufen durch die Stadt, suchen spannende Ecken, Verstecke und Situationen, die eine Geschichte erzählen könnten.
Bei Geschäften läuft der Prozess etwas anders. Zuerst sprechen wir mit den Verantwortlichen und überlegen gemeinsam, wie sich ein Ort einbinden lässt, ohne dass daraus Werbung wird. Anschliessend entwickeln wir eine Geschichte, die zum Standort passt. Diese wird gemeinsam besprochen und freigegeben.
In beiden Fällen braucht es viel Kreativität und Vorstellungsvermögen.
Worauf achtet ihr bei der Wahl der Standorte?
Die Szenen sollen Teil eines Rundgangs sein und gleichzeitig etwas versteckt liegen. Uns interessiert die Frage: Was gibt die Umgebung her? Ein Blumenbeet kann beispielsweise zur Kulisse für eine Geschichte werden, in der kleine Figuren Blumen giessen. Die Umgebung liefert oft bereits den roten Faden.
Welche Reaktionen aus der Bevölkerung haben euch besonders gefreut oder überrascht?
Die Resonanz war bisher überwältigend – und ausschliesslich positiv. Wir erhalten viele Vorschläge für neue Standorte. Gleichzeitig melden sich Menschen auch, wenn sie eine Szene nicht finden oder wenn einmal etwas beschädigt oder entwendet wurde. Besonders gefreut haben uns Rückmeldungen von Schulklassen, die MiniLuzern inzwischen für Exkursionen oder Stadtrundgänge nutzen.
Was macht die Faszination von Miniaturwelten aus?
Es ist die Kombination aus Grösse und Detailtreue. Die Szenen stellen Alltagssituationen dar und wirken gleichzeitig wie eine eigene kleine Welt. Man entdeckt Details, die man sonst übersehen würde. Vielleicht erinnert uns das auch ein Stück weit an die eigene Kindheit. Es macht einfach Freude, genauer hinzuschauen.
Aktuell ist MiniLuzern auch in den Räumlichkeiten von StadtHirsch zu sehen. Wie entstand die Idee zu dieser Ausstellung?
Wir zeigen bei StadtHirsch regelmässig wechselnde Ausstellungen. Dieses Mal wollten wir bewusst einem eigenen Projekt Raum geben. Besonders spannend finden wir die Reaktionen der Menschen, die zufällig an unseren Schaufenstern vorbeigehen. Viele bleiben stehen, schauen genauer hin und beginnen zu entdecken.
Was können Besucherinnen und Besucher dort entdecken, das man auf der Tour durch die Stadt nicht sieht?
In der Ausstellung sind die Figuren anders inszeniert. In der Stadt werden sie jeweils an die Umgebung angepasst. In der Galerie funktioniert das anders. Dort entstehen spannende Kontraste zwischen grossformatigen Bildern und den kleinen Figuren. Diese Grössenunterschiede lösen eine besondere Interaktion aus und eröffnen neue Perspektiven.
MiniLuzern ist als wachsendes Projekt angelegt. Welche Entwicklungsmöglichkeiten siehst du für die kommenden Jahre?
MiniLuzern wächst aktuell Monat für Monat. Das Entwicklungspotenzial ist enorm. Es gibt viele weitere Geschichten, Standorte und Ideen, die umgesetzt werden könnten. Gleichzeitig sind wir auf Partnerschaften angewiesen, damit das Projekt weiter wachsen kann.
Welche Ideen oder Formate würdest du gerne noch umsetzen?
Mich reizen Szenarien mit einem Augenzwinkern. Geschichten, die witzig sind und auch einmal leicht kritisch sein dürfen. Aktuell haben wir beispielsweise einen pinkelnden Miniaturmann in den Startlöchern. Mal schauen, wann und wo dieser auftaucht. (schmunzelt)
Welche Geschichte von MiniLuzern wurde bisher noch nicht erzählt, sollte aber unbedingt einmal erzählt werden?
Mich fasziniert beispielsweise die Seebrücke. Sie ist eine wichtige Verbindung zwischen den beiden Ufern und diese Entwicklung trägt auch etwas mit sich. Daraus könnte man eine schöne Geschichte entwickeln. Gleichzeitig bietet dieser Ort ein fantastisches Panorama und wäre ein perfektes Fotosujet – oder wie man heute sagen würde: absolut instagramable.
Die Miniaturwelten können jederzeit auf eigene Faust erkundet werden. Alle Standorte sowie weitere Informationen finden sich unter: www.miniluzern.ch
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